Seidenstücker und die Straßenfotografie

Die Straßenfotografie und das Recht am eigenen Bild waren in den letzten Jahren zunehmend Gegenstand juristischer Erklärungsversuche.

Fest steht: Die Fotografie eines Friedrich Seidenstücker würde es so heute nicht mehr geben. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie (bis Februar 2012) macht deshalb auch nachdenklich, weil die Vorraussetzungen für das spontane Bild von Juristen und Gesetzgebern eingeschränkt wird. Auch die Zeitschrift PHOTONEWS geht in ihrer Ausgabe 11/11 darauf ein und schreibt in Bezug auf F. Seidenstücker: „Insofern machen seine Fotografien sichtbar, was an Einblick in das Leben einer Gesellschaft verloren geht, wenn die Straßenfotografie, wie es mehr und mehr zu beobachten ist, den Spitzfindigkeiten von Juristen und der Profitgier der Juristen zum Opfer fällt.“

Die freie Kunstausübung bleibt dabei auf der Strecke und die Gesellschaft  vergisst dabei, dass sie am Ende der Verlierer ist, nicht der Künstler oder Fotograf. Diese Entwicklung steht im Kontext gesamtgesellchaftlicher Entwicklungen.

Auswüchse haben auch die Einschränkung der Fotoaufnahmen im Bereich der Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg angenommen, wo sich die Stiftung vorbehält, Gebühren zu erheben. Grundlage der Auseinandersetzungen ist hier das sog. Panoramafreiheitsgesetz. Auch Redaktionen und Bildagenturen stehen hier vor einer schwierigen Rechtslage. Die Gesellschaft kann nur bedauert werden, der Fotograf hat zwar die Einschränkung der künstlerischen Freiheit hinzunehmen, bleibt aber durch sein Wirken dem Instinkt des Profites trotzdem überlegen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Werte in unserer Gesellschaft neu geordnet und nicht zweifelhaften Interessen Einzelner geopfert werden.

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